Behandlung der Lyme-Borreliose

G. Stanek
Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie, Infektionsimmunologie und Mikrobiologie
Medizinische Universität Wien


Zur Behandlung der Lyme-Borreliose häufig verwendete Antibiotika

Penicilline
Die 6-Aminopenicillansäure ist die gemeinsame Grundstruktur aller Penicilline. Sie besteht bekanntlich aus drei Komponenten, dem Betalaktam- und Thiazolidin-Ring und einer Seitenkette. Die Seitenkette ist für die pharmakologischen Eigenschaften und das antimikrobielle Wirkungsspektrum des jeweiligen Penicillin-Moleküls verantwortlich. Penicilline wirken bakterizid, indem sie den Zellwandaufbau der Bakterien hemmen. Sie können daher Bakterien nur während der Proliferation, bei der auch die Zellwand synthetisiert wird, und nicht in der Ruhephase am Zellwandaufbau hemmen und somit abtöten. Die Hemmung beruht darauf, dass die Vernetzung der niedermolekularen Bausteine des Mureins durch Penicillin verhindert wird.

Nach dem Wirkungsspektrum unterscheidet man Schmalspektrum-Penicilline, zu denen das parenteral zu verabreichende Penicillin G und die oral zu verabreichenden Penicillin V und Propicillin gehören. Während Gramnegative Bakterien gegenüber diesen Penicillinen resistent sind, sind Spirochäten wie Treponema pallidum und Borrelia burgdorferi sensu lato, die man wegen ihres Zellwandaufbaues auch zu den Gram-negativen Bakterien zählen kann, empfindlich.

Penicilline mit erweitertem Wirkungsspektrum auch gegenüber bestimmten Gram-negativen Bakterien sind die Aminopenicilline Ampicillin und Amoxicillin. Diese können sowohl oral als auch parenteral verabreicht werden.

Hinsichtlich Toxizität gehören die Penicilline zu den am besten verträglichen Medikamenten. Jedoch kommt es in einem nicht unerheblichen Ausmaß, bis zu 5%, zu allergischen Reaktionen.

Cephalosporine
Unter den Cephalosporinen, die ebenfalls zur Gruppe der β-Laktam-Antibiotika gehören, werden zur Behandlung der Lyme-Borreliose die beiden β-Laktamase-stabilen Substanzen Ceftriaxon und Cefuroxim-Axetil eingesetzt, wobei das relativ gut verträgliche Ceftriaxon mit seiner langen Halbwertszeit und der daraus resultierenden täglichen Einmalgabe die führende Substanz in der Behandlung der Lyme-Neuroborreliose geworden ist.

Doxycyclin
Doxycyclin gehört zu den Tetracyclinen. Tetracycline hemmen die Proteinsynthese in Bakterien und auch, wenn auch wegen der weitaus geringeren Affinität zu Säuger-Ribosomen in weitaus geringerem Ausmaß, in Säugerzellen. Doxycyclin hat eine bakteriostatische Wirkung auf Grampositive, Gram-negative und zellwandlose Bakterien sowie auf bestimmte Protozoen wie Plasmodien. Seine Wirkung erstreckt sich auf extrazelluläre als auch auf intrazelluläre Bakterien. Seine unerwünschten Wirkungen sind bei etwa einem Zehntel der Betroffenen Beschwerden seitens des Magen-Darm-Trakts und in einem geringeren Anteil Phototoxizität, das heißt eine Hautreaktion infolge intensiver Sonnenlicht- oder UV-Exposition während der Behandlung. Bei Kindern unter 8 Jahren sowie bei Schwangeren und Stillenden ist Doxycyclin kontraindiziert.

Azithromycin
Azithromycin ist ein Azalid, das der Gruppe der Makrolid-Antibiotika zugeordnet wird. Sein Wirkungsmechanismus beruht ebenfalls auf der Hemmung der Proteinbiosynthese durch Bindung an die bakteriellen Ribosomen, wodurch die bakteriostatische Wirkung erfolgt. Eine besonders auffällige Eigenschaft dieser Substanz ist seine hohe Halbwertszeit intrazellulär, woraus das eigenwillige Behandlungsschema resultiert. Zu den unerwünschten Wirkungen gehören Beschwerden seitens des Magen-Darm-Trakts und seltener Schwindelanfälle etc. ... Azithromycin ist in der Behandlung der Lyme-Borreliose nicht die Substanz der ersten Wahl, sondern gilt als Ersatz-Substanz insbesondere bei Kindern mit Penicillin-Allergie.


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